Laufsport

Vom Bierkistenlauf zum Marathon

Das Laufen ist seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Vom gemütlichen Joggen über den ersten 10-km-Lauf und den ersten Halbmarathon bis zur Marathon-Premiere 2021 in Wien. Irgendwann reichte auch das nicht mehr — und der erste Ultra musste her. Hier meine bisherigen Läufe mit allen Höhen, Tiefen und (sehr vielen) Krämpfen.

Mein eigener Lauf im Donnersbachtal — drei Bewerbe für alle:

  • Klamm Run 5 K — Genussrunde durch die Klamm und über die Schlosskirche, für jeden gut schaffbar.
  • Klamm Run 10 K — Klammrunde & Schlosskirche, weiter über die Allee hinauf auf den Ritzenberg.
  • Kids Run 0,5 K — für Kinder von 4–10: zum Schutzengelfelsen, Klammstein schnappen und ins Ziel.
klamm-run.at →
Vienna City Marathon 2021
Vienna City Marathon 2021

Vienna City Marathon 2021

Mein erster Marathon

12.09.2021 · Finish 4:21 h

Nach mehrfacher Corona-Verschiebung, bei rund 26 Grad Hitze und den schlimmsten Krämpfen meines Lebens: Mein allererster Marathon — und ein lange gehegter sportlicher Traum, der endlich wahr wurde.

Laufen ist seit ca. 15 Jahren fixer Bestandteil meiner Freizeit. In der Studienzeit sporadisch, später bisschen häufiger. Meistens aber kürzere Distanzen um die 10 km und in recht gemächlichem Tempo. Einfach, um fit zu bleiben und dem Bauch Paroli zu bieten. Über die Jahre steigerten sich die Distanzen und irgendwann manifestierte sich das Ziel, einmal die Halbmarathon-Distanz zu laufen. Einfach nur für mich. Laufwettbewerbe interessierten mich nie. Der einzige Laufbewerb meines Lebens war bis dato der Donnersbacher Bierkistenlauf — unser Team hat dann auch einmal gewonnen.

Nach 2, 3 gescheiterten Versuchen (schon damals war’s die Hitze) bin ich dann ca. 2015 für mich mal einen Halbmarathon gelaufen. Danach dachte ich nur „Gott, es gibt Deppen, die laufen das jetzt nochmal“ … schön, dass ich jetzt auch so ein Depp bin. Das Ganze hat sich dann sehr langsam und kontinuierlich gesteigert, bis ich vor ca. 3 Jahren beschloss: Der Marathon ist auch für meinen Leib möglich. Ich machte mehrere professionelle Leistungsdiagnostiken bei meinem Kumpel Nescha (powerbox.fit) und meldete mich schließlich voll motiviert für den VCM im April 2020 an. Dann kam Corona. VCM 2020 abgesagt. Ticket auf 2021 übertragen. VCM 2021 abgesagt. Ticket in den September verschoben. Vier Wochen vor dem VCM stieg ich noch schnell mit zwei langen Läufen (25 km und 35 km) in den Trainingsplan ein. Irgendwie wird’s schon gehen.

Eine Erfahrung war es definitiv. Ich ging sehr nervös, aber fit an den Start. Leider hatte sich meine Zeitangabe bei der Anmeldung nicht gehalten und so wurde ich in den „Keine Zeitangabe“-Block ganz nach hinten gereiht. Das machte das Laufen anstrengender, weil ich über 30 km langsamere Läufer überholen musste. Mein großes Problem war aber die Hitze. Als mein Block um 9:20 auf der Reichsbrücke startete, hatte es vermutlich schon 20 °. Die prognostizierten 26 ° waren für mich einfach zu viel.

Ich nahm mir vor, strikt meine Pace von 5:35/km zu laufen. Naja. Die 160 Puls hatte ich schon nach 3 km. Schon nach 14 km kletterte mein Puls auf 170. Mir ging’s zwar super, aber ich wusste, dass sich das rächen wird. Trotzdem konnte ich bis km 30 eine ordentliche Zeit laufen. Kurz nach km 30 kam die Ernüchterung. Bei km 32 auf der Prater Hauptallee machte der rechte Oberschenkel voll zu und ich ging schreiend zu Boden. Aufgeben war aber keine Option mehr. Bei km 35 dasselbe — die schlimmsten Krämpfe meines Lebens. Die letzten 500 m waren grenzwertig. Aber ich blieb im Laufschritt. Z’fleiß.

Am Ende bin ich froh, dass ich den Termin nicht verpasst habe. Es war eine unglaubliche Erfahrung mit vielen Gänsehautmomenten entlang einer traumhaften Kulisse. Für mich ist damit einer meiner großen sportlichen Träume wahr geworden: Einmal einen Marathon laufen. Die Zeit war am Ende eher Nebensache. Ob ich die 4:21 h so stehen lassen kann, wusste ich da noch nicht … schließlich hatte ich gesehen, was möglich ist.

Am Ende möchte ich noch den Programmierern bei Garmin meinen Gruß ausrichten. Dass mir meine Uhr nach 42,195 km sagt, mein Trainingszustand sei „unproduktiv“, fand ich sehr erheiternd. 😉

VCM 2021
VCM 2021
VCM 2021

Vienna City Marathon 2022

Der zweite Anlauf

24.04.2022 · Finish 3:50 h

Diesmal mit deutlich mehr Training in den Beinen — und einer kuriosen Kollision mit einer Fußgängerin bei km 20. Ab km 26 kamen die Krämpfe mit beeindruckender Synchronität. Den Kampf im Kopf habe ich trotzdem gewonnen.

Nach einigen pandemiebedingten Verzögerungen konnte ich im Herbst 2021 meinen ersten Vienna City Marathon finishen. Die Zeit von 4:21 war deutlich über meinem 4-h-Ziel und lässt sich wohl durch zu wenig Vorbereitung und die große Hitze erklären, die mich ab km 32 mit angsteinflößenden Krämpfen mehrmals zu Boden zwang. Da ich das nicht so auf mir sitzen lassen konnte, musste ein zweiter Versuch her.

Am 24. April stand ich also wieder beim VCM am Start. Diesmal mit deutlich mehr Training in den Beinen. Die letzten 12 Wochen hatte ich mich mit einem Trainingsplan für eine Zielzeit von 3:30 vorbereitet — ein für meinen körperlichen Zustand sehr ambitionierter Plan. Realistisch hatte ich eine Zeit von unter 3:40 im Kopf.

Der Start war ziemlich zach. Es staute sich sehr stark auf der Reichsbrücke und ich konnte meine Pace einfach nicht laufen. Auf die ersten langsamen km folgten 25 lässige km, die ich wie eine Maschine abarbeiten konnte. Ich war voll im Plan. Bei km 20 warf mich dann ein Zwischenfall aus der Bahn: Eine ältere Dame querte mitten im Läuferstrom den Zebrastreifen. Ich konnte den frontalen Crash nur mit Mühe zu einem Streifschuss abfedern — die unnatürliche Bewegung war zu viel für meine Beine, beide Waden meldeten sich mit einem kleinen „Brenner“.

Bei km 26 kamen dann die Krämpfe mit beeindruckender Synchronität: beide Waden, beide Oberschenkel, auch die Zehen tanzten mit. Stillstand am Streckenrand. Eigentlich war mir klar, dass ich aufgebe. Doch dann wurde mir bewusst: Ohne Geld und Smartphone muss ich ja sowieso zu Fuß zum Rathaus, um Angi zu treffen. Also ging ich los — und wechselte nach ein paar Metern naiv wieder in den Laufschritt.

Die nächsten 16 km verbrachte ich damit, auf der feinen Klinge zwischen Tempo und Krampf zu balancieren. Bei km 30 sah ich auf die Uhr und stellte fest, dass sich mein Vorjahresziel von unter 4 h ausgehen müsste. Damit gab’s kein Zurück mehr. Am schlimmsten waren die letzten 2 km. Die letzten 500 m ging’s in den Zielsprint. Da war es: km 42,195. Im Ziel nach 3:50. 🏅

Im Nachhinein bin ich zufrieden. Die Zeit ist in Ordnung. Den Kampf im Kopf habe ich gewonnen. Damit kann ich mein sportliches Ziel, einen Marathon in vernünftiger Zeit zu laufen, abhaken. Das war also der letzte Marathon meines Lebens. Sicher. Vermutlich …

Vienna City Marathon 2022
Vienna City Marathon 2022
VCM 2022
VCM 2022
VCM 2022
VCM 2022
VCM 2022
Linz Marathon 2022
Linz Marathon 2022

Linz Marathon 2022

Premiere in Linz

2022 · Finish 3:49 h · persönliche Bestmarke

Marathon Nr. 3 bei perfekten Bedingungen — neue persönliche Bestzeit, diesmal ohne „Asphaltaufenthalt“. Die letzten 5 km waren trotzdem die Hölle.

Marathon Nummer 3 ist Geschichte. Mit 3:49 eine neue persönliche Bestmarke, wenn auch weit weg vom Zeitziel. Perfekte Bedingungen in Linz — da gibt’s null Ausreden. Das Training war gut, wenn auch etwas „lockerer“ als beim letzten Wien-Marathon. Da mich mein ehrgeiziges 3:30-Ziel zuletzt sehr schmerzhaft gelehrt hat, was nicht geht, wollte ich diesmal auf knapp unter 3:40 zurückstecken und erstmals halbwegs schmerzfrei durchlaufen.

Angis Plan war, ihren Halbmarathon in 1:45 h zu laufen, und ich konnte ein bisschen den Pacemaker spielen. Ab km 18 wollte ich wirklich zurückstecken. Traurigerweise meldete sich schon bei km 20 mein etwas verhunztes linkes Wadl mit ersten kleinen Stichen. Damit meine Beine nicht wie zuletzt fast explodieren, habe ich das Tempo sofort gedrosselt — die bevorstehenden Krämpfe schwebten die folgenden km wie das sprichwörtliche Damoklesschwert über mir.

Gut, dass ich mittlerweile die Kunst beherrsche, genau auf der feinen Kante zwischen leicht schmerzhaftem Lauf und Vollkrampf zu balancieren. Das 20 km lang durchzuhalten ist aber hart. Die letzten 5 km waren die Hölle. Wenn ich nicht aus den beiden vorherigen Marathons gewusst hätte, dass ich 42,195 km laufen kann, hätte ich aufgegeben. Es blieb das Ziel, zu finishen und die bisherige Bestmarke von 3:50 zu unterbieten — mit einem letzten schnellen Kilometer, der eigentlich nicht schnell war, mir aber für ewig als Jahrhundertleistung in Erinnerung bleibt.

Mittlerweile konnte ich das „Lebensziel“ Marathon schon mehrfach von der Liste streichen und am Weg dorthin habe ich für mich das Trailrunning entdeckt, das für mich schöner, lohnender, unkomplizierter und vermutlich gesünder ist. Aber einmal steige ich noch auf’s Pferd: bei meinem fast sicher wirklich letzten Marathon in Wien im April 2023 — diesmal mit echtem, realistischem Plan und einem versöhnlichen Abschied aus der Zeit als Marathoni.

Linz Marathon 2022
Linz Marathon 2022
Linz Marathon 2022

Vienna City Marathon 2023

Salinen-Klaus im Frühlingserwachen

April 2023 · Finish 3:36:21 h · persönliche Bestzeit

Mit besserem Training, mehr Salz und cleverem Krampfmanagement zur bislang besten Zeit — 13 Minuten schneller als in Linz. Auch wenn die Hitze (Servus, Wadsak) wieder ein Wörtchen mitzureden hatte.

Am Start fragte ich mich, ob es wirklich nicht mehr möglich ist, das Wetter in Österreich für 12 Stunden halbwegs genau vorauszusagen. Es war angesagt: Wolken und 9–13 Grad am Start. Meinem Gefühl nach war das nicht ganz korrekt. Diesmal war ich (etwas frech) in Block 1 aufgestellt, um mir das elendige Überholen zu ersparen — deutlich angenehmer als bei früheren Antritten. Einfach freier laufen.

Die Temperatur machte mir von Anfang an zu schaffen; ich schwitzte schon beim Stehen. Nach 800 Trainingskilometern bei 5 Grad war Wien ein echter Hitzeschlag. Es fiel mir nicht leicht, meine Pace unter 5:00 min/km zu halten, und bei km 10 dachte ich schon, dass die Geschichte ein baldiges Ablaufdatum hat. Ziemlich genau bei km 12 hatte mein Freund Jesus aber Erbarmen und schob ein paar zarte Wölkchen vor’s Gestirn. Danke dafür.

Bis km 30 ging’s gut, dann kämpfte ich immer mehr mit der Hitze und merkte, wie meine Oberschenkelmuskulatur immer härter wurde. Da musste eine Entscheidung her: Ich entschied mich, lieber 15–20 sek/km zu verlieren, als zwischenzeitlich 5 Minuten dehnend und schreiend an der Klagemauer zu verbringen. Ging ganz gut — zwischendurch kam sogar die berühmte zweite Luft.

Dann kam der für mich härteste km Nr. 40 — leicht bergauf bei Gegenwind am Ring, und zack, genau bei km 41 machte der rechte Oberschenkel zu. Schnell humpeln, ordentlich fluchen und Wechsel in den perfekt antrainierten Besenschritt. So ein Krampf stoppt mich sicher nicht 1,2 km vor dem Ziel. Beißen. Beißen. Beißen. Am Ende standen 3:36:21 auf der Uhr — 13 Minuten schneller als zuletzt in Linz und meine neue persönliche Bestzeit.

Vienna City Marathon 2023
Vienna City Marathon 2023
VCM 2023
VCM 2023
VCM 2023
Graz Marathon 2023
Graz Marathon 2023

Graz Marathon 2023

Jagd auf die 3:30

2023 · Finish 3:40 h · zweitbeste Zeit

„Hop oder Drop“: Entweder die Lebenszielzeit von 3:30 h — oder beim Versuch zugrunde gehen. Bei km 35 kam die „Mutter aller Krämpfe“ zu Besuch. Am Ende: 3:40 h und der Traum von 3:30 schwirrt weiter im Kopf.

Gefühl und Wetter waren gut. In meinem Kopf war längst klar, dass ich heute entweder meine (Lebens-)Zielzeit von 3:30 h laufe oder beim Versuch zugrunde gehe. Der fordernde Test-Halbmarathon in Bad Ischl zeigte mir mit 1:40, dass es schwierig, aber möglich ist. Als bisherige Bestzeit stand mit 3:36 h die Hitzeschlacht von Wien auf der Uhr. Da geht sicher mehr. Also los.

Ich startete ausgeruht und mit guten Beinen und musste mich auf den ersten Kilometern aktiv zurückhalten. Erst bei km 14 konnte ich zur 3:30er-Gruppe aufschließen. So hatte ich nach den ersten 21 km ein Zeitguthaben von über einer Minute aufgebaut. Nachdem die Gruppe dann wieder einen km in 4:49 absolvierte, entschloss ich mich, einen schonenderen Gang einzulegen.

Das ging bis km 30 gut. Da merkte ich, dass die Beine schwer werden. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, locker mit einer neuen Bestleistung unter 3:36 ins Ziel zu laufen. Tat ich aber nicht — ich war ja schon auf „Hop oder Drop“ eingenordet. Bei km 35 kam die Mutter aller Krämpfe zu Besuch: Beide hinteren Oberschenkel, die „Hamstrings“, starteten synchron das Symphonieorchester des Schmerzes. Eine Minute dauerte die Vorstellung, in der ich auf Zehenspitzen dastand und vor mich hin fluchte.

Nachdem das Schlimmste vorüber war, ging ich ein paar Meter und startete dann wieder im Laufschritt. Mehr als 5:50 min/km war aber nicht mehr möglich. Ich hörte auf die Warnung meiner Oberschenkel und rannte gemütlich ins Ziel. Am Ende standen 3:40 auf der Uhr — meine zweitbeste Zeit bisher. Finisher-Medaille umhängen, schnell ein Bierchen für 6,50 € zischen, und vergessen ist der Schmerz. Die 3:30 h schwirren aber weiter im Kopf herum. 😁

Graz Marathon 2024
Graz Marathon 2024

Graz Marathon 2024

Ein glorreiches Ende?

2024 · Finish 3:29:48 h · persönliche Bestzeit · Sub-3:30

Alle Zeichen standen auf Sub-3:30. Mit Carbon-Schuhen, Gel und Salz volle Attacke in Graz — und einem Finale, das zum Sekunden-Krimi wurde. Das Ende vom Lied: 3:29:48. Ich hätte mir also noch etwas Zeit lassen können.

Alle Zeichen standen auf unter 3:30 h. Nach persönlichen Bestleistungen auf 5K, 10K und HM war es nur folgerichtig, auch die Marathonzeit zu verbessern. Um endlich meinen Seelenfrieden zu finden, musste natürlich die magische 3:30-h-Marke unterboten werden — vor einigen Jahren für mich unvorstellbar, jetzt aber mit 1:39 beim letzten (furchtbar heißen) Kärntner Halbmarathon durchaus realistisch. Also Carbon-Latten schnüren, Gel und Salz einpacken und volle Attacke in Graz. Die Rennstrategie sah vor, die erste Hälfte in 1:43 zu laufen, um nicht zu kaputt doch noch etwas Puffer in die zweite Hälfte mitzunehmen. Erfahrungsgemäß krampft’s bei mir ja doch mal gerne ab km 30+ und dann ist jede Sekunde wertvoll.

Am Start geht’s gleich mal bergab, und von daher ist der erste zu schnelle km mit 4:30 nicht überzubewerten. Eine kurze Schrecksekunde gab es schon nach ca. 300 m, als mir bei einer Fahrbahnverengung jemand von hinten die Beine wegrasierte. Nur durch meine angeborene natürliche Eleganz konnte ich behände wie ein Rehkitz den drohenden Bauchfleck verhindern. Böser Blick nach hinten und weiter geht’s — mir selbst sollte noch ein ähnlicher Fauxpas passieren.

Ab km 3 hatte ich mich gut eingelaufen und musste mich tatsächlich einbremsen, um nicht zu viel zu investieren. Den deutlich zu schnell gestarteten 3:30-Pacemaker holte ich nach ca. 6 km ein und beschloss, mein eigenes Tempo durchzuziehen. Die HM-Marke überquerte ich bei exakt 1:43:00. Ich fühlte mich noch recht gut, hatte mir aber vorgenommen, jetzt auf 5:00 min/km zurückzugehen und meinen „Vorsprung“ locker ins Ziel zu bringen.

Etwas Sorgen machte mir mein Puls, der von Beginn an deutlich höher als bei vergleichbaren Trainingsläufen war und ab km 25 an der 170 kratzte. Bei km 28 merkte ich zum ersten Mal, dass es auch heute nicht leicht wird. Die Beine wurden schwerer und ich pendelte mich bei 5:05 min/km ein. Reicht immer noch für die 3:30, dachte ich. Einfach durchziehen.

Ab km 32 kam aber, wovor ich wirklich Angst hatte. Gevatter Krampf klopfte an und zeigte mir mit einem gekonnten Stich in die Wade, dass er auch diesmal mein unerwünschter, aber treuer Begleiter sein wird. Bei km 35 überholte mich der 3:30-Pacemaker. Ich versuchte mitzuhalten — Wade und Oberschenkel sagten Nein. Total im Fokus versäumte ich die Wende bei Andritz und lief geradeaus voll in meinen Nebenmann, der eben diese vollziehen wollte. Gott sei Dank nichts passiert. Tausendmal entschuldigt für meine Dummheit und weiter.

Jetzt war der Groschen gefallen: 3:32 sind keine Option. Laufstil reorganisiert und weiter geht’s auf den Fersen im Besenschritt. Sowas lernt man nur unter Schmerzen, und ich habe es inzwischen perfektioniert. So konnte ich meine 5:05 weiterlaufen, wenn auch unter enormer Anstrengung. Der Puls kletterte auf 175 Schläge. So schlürfte ich die nächsten km vor mich hin, immer auf der Krampfwelle reitend.

Bei jeder Kilometertafel wurde die Rechnung enger. Ein Sekunden-Krimi stand bevor. Was sind schon 10 Minuten Schmerz im Leben eines Marathoni? Heute muss die 3:30 fallen. Es soll ja helfen, den Schmerz zu artikulieren — also ließ ich es raus. So manch Zuschauer wird sich gefreut haben, dass auch Menschen mit Tourette am Marathon teilnehmen. Gelebte Inklusion oder einfach ein kaputter Donnersbacher in der Stadt.

Km 42 bügelte ich mit 4:46 nieder, und die letzten 470 Meter — ja, für die Nicht-Elite ist der Marathon meist länger als 42,195 km — wirbelte ich mit 4:34 ins Ziel. Am Ende waren es 03:29:48. Ich hätte mir also noch etwas Zeit lassen können.

Graz Marathon 2024
Graz Marathon 2024
Graz Marathon 2024
Graz Marathon 2024
Wien Rundumadum 2025
Wien Rundumadum 2025 · Ultra

Wien Rundumadum 2025 · Ultra

Mein erster Ultra

2025 · 61 km · 6:23 h · 8. von 62

Nach sechs Marathons der Schritt über die 42 km hinaus: mein erster Ultra. 61 km rund um Wien (die „Halbe G’schicht“) — mit Faschingskrapfen an der Labe und der größten Blase meines Lebens. Ziel „Gold“ (unter 7 h): erreicht in 6:23 h.

Nach mittlerweile 6 Marathons und einer Zeit, mit der ich gut leben kann und von der ich auch überzeugt bin, dass ich sie nur noch minimal verbessern kann, müssen die persönlichen Ziele angepasst werden. Schneller werd’ ich nimmer. Es geht nur noch weiter. Schon länger spielte ich mit dem Gedanken, einen Ultra-Marathon zu laufen, also über die 42 km hinauszugehen. Mit österreichischen Ultras ist es aber so eine Sache: Die meisten spielen sich in den Bergen ab und verlangen schnell mal über 3.000 hm Aufstieg. Da sehe ich mich aktuell noch lange nicht. Daher wurde es der WRU – der „Wien rundumadum“, der mit 430 hm quasi flach ist. Beim WRU kann man zwischen 42 und 130 km laufen. Ich entschied mich für die „Halbe G’schicht“ mit 61 km und war am Ende doch froh, nicht die 88er-Variante gewählt zu haben.

Mein Ziel war, die Zeitkategorie „Gold – bis 7 Stunden“ zu erreichen. Meine Strategie: die Marathondistanz möglichst in 4 Stunden hinter mich zu bringen und die restlichen 19 km gemütlich mit kleineren Pausen zu absolvieren. Dieses Tempo konnte ich auch gut laufen. Nach ca. 10 km fand ich einen Laufpartner, mit dem ich die nächsten 40 km gemeinsam lief. Ohne den Zeitstress eines Marathons ist Laufen wirklich eine coole Sache. Bei der ersten großen Verpflegungsstation auf km 36 gab’s sogar Faschingskrapfen — gut, dass mein Magen wirklich der stärkste Part an mir ist.

Auch die Erklimmung des Bisambergs war kein Problem. Richtig hart wurden eigentlich erst die letzten 5 km. Mit einer Pace von 7:00 min/km ging es ins ersehnte Ziel. So konnte ich nach 6:23 h als 8. von 62 Teilnehmern auf dieser Distanz finishen — und die größte Blase meines Lebens begutachten. Irgendwie Blut geleckt …

Wien Rundumadum 2025
Wien Rundumadum 2025
Wien Rundumadum 2025
Wien Rundumadum 2025

Salzburg Marathon 2026

„Pain is temporary, Strava is forever“

2026 · Finish 3:30:32 h

Eigentlich war Schluss — doch ganz spontan ging’s nochmal nach Salzburg. Eine Woche nach einem misslungenen 30-km-Versuch, bei perfekt kaltem Wetter, im Kampf gegen die Krämpfe bis zur Staatsbrücke. Am Ende: 3:30:32 — 45 Sekunden über der Bestzeit.

Dieser Marathon stand so überhaupt nicht auf meinem Plan. Eigentlich gar kein Marathon mehr. Meine treuen Laufberichts-Leser wissen natürlich, dass jeder Marathon mein letzter Marathon ist. Zur Anmeldung kam es sehr spontan: Beim HM in Graz im Frühjahr konnte ich aufgrund meiner gerade abgeklungenen Männergrippe nicht wirklich performen und wollte nochmal einen Halbmarathon nachschießen. Salzburg hat mir bisher sehr gut gefallen (PB 1:32) und mein Bruder Karl hatte sich hier für seinen ersten Marathon angemeldet — da hätte ich gut den Pacemaker spielen können. Leider war der HM bereits ausgebucht, und so habe ich spontan den Ganzen angeklickt. 😅

Der Termin war direkt eine Woche nach dem Wings for Life Run angesetzt, für den ich schon fix das Ziel hatte, erstmals die 30 km zu knacken. Natürlich war es sehr heiß, natürlich habe ich es trotzdem versucht — und natürlich hat mich die Hitze nach ca. 24 km mit Krämpfen ordentlich zurückgehauen. Am Ende wurden es gute 28 km. Kein langer Lauf und eine Woche vor dem Renntag die Beine ins Nirvana geschossen — keine besonders guten Vorzeichen. Da kamen mir zum ersten Mal in meinem Läuferleben drei Buchstaben in den Sinn: D-N-F – „Did not finish“.

So bin ich am Renntag mit mäßigen Erwartungen um 5:30 früh nach Salzburg gefahren, habe mir vom Brüderchen die Startnummer geholt und ab an den Start. Das Wetter war absolut perfekt: wolkenlos, aber richtig schön kalt. Da wurde mir klar, dass ich zumindest das Tempo von 4:50 für eine mögliche neue Bestzeit anvisieren werde. Es könnte ja sein, dass die Beine halten — und wann habe ich schon mal wieder solche Bedingungen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Klassisch ließ ich mich am 1. Kilometer mitreißen (4:34, deutlich zu schnell) und groovte mich ab km 4 zwischen 4:45 und 4:50 ein. Puls bei ca. 158 — das halte ich grundsätzlich schon 4 Stunden durch. So konnte ich den Lauf und die Umgebung wirklich genießen und zog den Halbmarathon wie eine Maschine durch (1:42).

Da ich wusste, dass meine Beine die fehlenden langen Einheiten irgendwann ausbaden müssen, reduzierte ich das Tempo ein klein bisschen. Bis km 30 lief es gut — mit 2:25 h sogar meine beste 30-km-Zeit. Ab km 32 machten die Oberschenkel immer mehr zu. Bei km 34 zog ich an der Verpflegungsstation eine strategische Notbremse: trinken, 20 Sekunden gehen, dann wieder Laufschritt. Das ging erstaunlich gut, und ich kam schmerzfrei auf 5:05 zurück — der innere Taschenrechner lief auf Hochtouren.

Die Krämpfe meldeten sich zurück. Die Gehpause bei km 38 war nicht mehr strategischer Natur, sondern erzwungen — wenn der Hamstring krampft, geht auch mit meinem berühmten Besenschritt nichts mehr. „Pain is temporary, Strava is forever“ stand auf dem Schild einer Zuschauerin. Da musste ich lachen.

km 41, so nah am Ziel. Auf der Staatsbrücke, ca. 800 m vor dem Ziel, ist dann Schluss. Ich humple schmerzverzerrt über die Brücke. Am höchsten Punkt nochmal die Zähne zusammengebissen und ab in den Laufschritt — das tat so weh. Die letzten 20 Meter musste ich mich humpelnd an der Absperrung entlanghangeln, um die Ziellinie zu überqueren. Weder Euphorie noch Adrenalin — es war pures Laktat, die Milchsäure aus der Hölle.

Am Ende stand meine offizielle Zeit: 3:30:32 — 45 Sekunden langsamer als meine Bestzeit von 3:29:48 in Graz 2024. So knapp nicht geschafft. Aber immer noch eine super Zeit, vor allem angesichts des Trainingsaufwands. Es war am Limit und vielleicht schon etwas darüber. Karl finishte seinen ersten Marathon mit fabulösen 3:07 — und da geht noch mehr. Bei mir nimmer. 😉 (Kurioses Detail: Meine Garmin wertet diesen Lauf als meinen schnellsten Marathon — abseits der Ideallinie waren es laut GPS 42,46 km, und weil das Finale in Salzburg ein schleichender Tod statt eines Zielsprints war, waren die ersten 42,195 erfassten km tatsächlich schneller als in Graz.)

PS: Das war jetzt mein letzter Marathon.

Salzburg Marathon 2026
Salzburg Marathon 2026